Privatgutachten: Rechtliche Relevanz

Häufig ist es bei Auseinandersetzungen am Bau notwendig, zunächst ein Privatgutachten in Auftrag zu geben, bevor das eigentliche gerichtliche Verfahren angestrengt wird.

Mithilfe dieses Gutachtens wird es dem Rechtsanwalt erst möglich sein, der Gegenseite / dem Gericht eine sachlich zutreffende Darstellung der technischen Situation zu liefern und so den Sach- und Schadensstand nachvollziehbar vorzutragen.

Mängel in der schriftsätzlichen Darstellung im Gerichtsverfahren, die durch die unterlassene Einholung eines Gutachtens bedingt sein können, bergen die Gefahr in sich, dass das Gericht den Parteivortrag für unschlüssig erachtet und das gerichtliche Verfahren deshalb nicht in die Beweisaufnahme übergeht.

Ein ordentlich erstelltes Gutachten wird das Gericht quasi zwingen sich intensiver mit der Sach- und Rechtslage auseinander zu setzen und das Verfahren nicht „voreilig“ durch abweisendes Urteil zu beenden.

Auch der nur beratende Rechtsanwalt wird vielfach schon für ein Beratungsgespräch ein Gutachten benötigen, damit er in die Lage versetzt wird, die oft schwierige Sachlage richtig zu erfassen und darauf basierend seinem Mandanten einen Rat zu erteilen und letztendlich die Erfolgsaussichten und Risiken eines Gerichtsverfahrens einschätzen zu können.

Kostenerstattung

Im Rahmen der Kostenerstattung eines gewonnen Prozesses stellt sich für den Rechtssuchenden die Frage, inwieweit auch die Kosten eines zuvor eingeholten außergerichtlichen Gutachtens von der Gegenseite zu erstatten sind.

In der Regel sehen die Gerichte die Kosten des Privatgutachtens als notwendige Kosten der Rechtsverfolgung an und können daher gegen den Gegner festgesetzt werden.

Kosten für Privatgutachten sind erstattungsfähig.

Verbraucher schrecken oft vor den Kosten und Folgen eines Gerichtsstreites zurück, auch wenn Sie mit den Leistungen ihres Handwerkers nicht zufrieden sind. Die Frage nach einem Privatgutachten kommt auf, aber hier besteht oft Unsicherheit, wer dieses denn letztendlich bezahlt.

Die Frage wird in §91 Abs. 1 ZPO beantwortet: Die unterliegende Partei muss die Kosten des Rechtsstreites tragen. Allerdings müssen diese Kosten zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung notwendig gewesen sein.

In der Rechtssprechungsliteratur hat sich hieraus der Leitsatz entwickelt, dass ein Privatgutachten dann erstattungsfähig ist, wenn das Gutachten durch einen Sachverständigen für eine Rechtsverfolgung oder -verteidigung notwendig war.

Weitere Leistungen als Privatgutachter:

  • Bauschadensgutachten
  • technische Stellungnahmen
  • Mitwirkung als „sachverständiger Zeuge“